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Nächtebuch 15.12.08 Eigenwerk
von Hunting aus der Kategorie Freier Text - Persönliches - Tagebücher

Nächtebuch
Was mir vor dem Einschlafen durch den Kopf geht, Geniestreiche, Banales, Gedankensplitter und Aphorismen, Träume und Beobachtungen.
Erstellt:    15.12.2008 01:00
Geändert: 04.02.2009 22:54
1339 Lesungen, 2.8KB

Ich habe so den Verdacht, dass jeder Mensch seine ganz persönliche Paranoia mit sich herumschleppt. Zumindest kommt mir der Gedanke, wenn ich momentan meine Leute im Schneckenmenschenverein so anschaue. Die meisten sind absolut vernünftige, intelligente Leute, aber einen Punkt gibt es immer, da tauchen dann plötzlich geradezu groteske Ängste auf. Da ist die Sorge um unser Internet-Forum. Der eine sieht Anzeichen dafür, dass da ein Hacker am Werk sei. Gut, mag sein, aber seine für ihn unumstößliche Schlussfolgerung ist die, dass das in jedem Fall das Werk von Sicherheitsdiensten sein müsse; sein ganzes Denken kreist um Schäuble, Bundestrojaner, etc. und ihm ist nicht wirklich klarzumachen, wie abwegig der Gedanke ist, dass das BKA die Plattform einer vergleichsweise unbedeutenden Selbsthilfegruppe für Behinderte aus dem Verkehr ziehen wolle. Der nächste glaubt, dass die Scientology ihre Leute in unsere Reihen schleust, wieder ein anderer vermutet überall Rechtsradikale am Werk, undundund. Es gibt nun den Spruch: "Nur weil du paranoid bist, heißt das ja nicht, dass sie nicht trotzdem hinter dir her sind." Aber ich hab mir einfach eine gewisse Gelassenheit antrainiert. Vielleicht ist das mit der ständigen Angst ja auch eine urdeutsche Geschichte. Ein Kabarettist meinte einmal sehr treffend: "Was wäre der Deutsche ohne seine Angst? Ein Franzose."
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Was ich selbst für eine Paranoia habe, da bin ich noch nicht dahintergekommen, das ist ja dann auch immer eine Art blinder Fleck. Naturgemäß hält man selbst ja auch noch die absurdesten der eigenen Gedankengänke für vollkommen logisch. Am ehesten fällt in den Bereich unbegründete Ängste bei mir vielleicht die Sorge, in den vierzig, fünfzig Jahren, die mir noch bleiben, doch nicht mehr die Frau zu finden, die mich versteht. Immerhin bin ich ein vergleichsweise seltsamer Kauz, da braucht es schon aus Gründen der Wahrscheinlichkeitsrechnung mehr Geduld. Andererseits habe ich meine Selbstmitleidsphase eigentlich schon seit längerem abgelegt und die paar Rückfälle ab und an fallen nicht wirklich ins Gewicht. Und immer wieder ergeben sich ja tatsächlich Flirtgelegenheiten, man bleibt ja nicht ewig zu Hause hocken, dazu bin ich ein viel zu neugieriger Mensch. Also spiele ich den Charmeur, gebe mich niveauvoll, redegewandt, verständnisvoll, in letzter Zeit gelingt es mir sogar, einen Schuss Männlichkeit einfließen zu lassen. Aber irgendetwas fehlt offensichtlich immer noch. Und das sorgt eben für diese dummen Ängste. Als würde das Schicksal von einem frechen Kobold gelenkt, der mich auslacht: "Du kannst dich noch so viel anstrengen, kannst zappeln, wie du willst, kannst hoffen und kämpfen, aber dein Glück wirst du trotzdem nicht finden." Und gegen solche idiotischen Phantasien kommen eben auch tausend Vernunftgründe nur schwer an.  ­
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