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Netter Abend zu zweit Eigenwerk
von kasselklaus aus der Kategorie Geschichte - Nachdenkliches, Ernstes

Kurzgeschichten aus 30 Jahren
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Erstellt:    12.10.2008 09:37 1086 Lesungen, 5.9KB

Netter Abend zu zweit

Mona heißt so, weil ihr Vater sie gezeugt hat, als er in Paris war. Jedenfalls glaubt er das, denn in der Nacht nach dem Besuch im Louvre hatte er mit Monas Mutter noch ein paar Gläser Sekt getrunken und dann ist es eben passiert.

Mona ist vor etwa einem halben Jahr fünfzehn geworden. Jetzt sitzt sie in ihrem Zimmer und wartet auf Steffen, ihren Freund. Ihre Eltern sind heute abend nicht da, sie wollten endlich den Gutschein für einen Kinobesuch einlösen. Mona spürt plötzlich, daß sie feuchte Hände hat. Außerdem muß sie sich dauernd in den Haaren kratzen: Dauernd juckt ihr an einer anderen Stelle die Kopfhaut. Ebenfalls ein Zeichen dafür, daß sie nervös ist. Sie hat zwei Kerzen angezündet, die etwas unruhig flackern, weil Lissy, die Katze, gerade ihre hektischen fünf Minuten hat. Dauernd springt sie vom Tisch auf das Sofa und von dort aus auf die Fensterbank und dann wieder zurück. Mona befürchtet, daß die Katze die Weinflasche umwirft, die auf dem Tisch steht.

"Lissy!" ruft Mona nachdrücklich, doch Lissy läßt sich davon nicht beeindrucken. Mona greift sich schließlich die Katze und sperrt sie ins Badezimmer ein, weil dort das Katzenklo steht. In ihr Zimmer zurückgekehrt, steht Mona nun vor ihrer Stereoanlage und legt eine bestimmte CD in das Abspielgerät. Monas Freundin Sarah hat ihr diese CD empfohlen und ausgeliehen. Mona kennt den Musiker nicht, Sarah meinte aber, daß die Musik gut passen würde. Also legt Mona die CD auf. Aus den Lautsprecherboxen klingt dezente Harfenmusik. Mona schaut auf ihre Armbanduhr; es ist wenige Minuten vor 20 Uhr. Steffen ist immer sehr pünktlich. Das ist einer der Gründe, warum Mona mit ihm zusammen ist. Außerdem ist er – wie Mona immer zu ihrer Mutter sagt – "nicht so gefühlsbetont". Das mag Mona im Moment gar nicht. Ihr letzter Freund war nämlich so: "Dauernd hat er irgendetwas 'gespürt' oder 'gefühlt' – schrecklich!" meinte Mona erst gestern zu ihrer Mutter, die daraufhin lächelte, was Mona überhaupt nicht verstand. "Und geweint hat er auch!" "Was hat dich daran gestört?" fragte Monas Mutter. Das mußte sie wohl fragen, denn sie ist Psychologin. "Stark soll er sein, mit vielen Muskeln, halt ein richtiger Mann!" antwortete Mona. Ihre Mutter biß sich daraufhin auf die Unterlippe und verkniff sich weitere Äußerungen. Steffen ist mit seinen sechzehn Jahren zwar noch kein richtiger Mann aber jedenfalls weint er nicht. Und sein "Ich liebe Dich" vor drei Monaten klang eher wie "Ich geh' 'mal eben einkaufen."

Steffen ist noch einige Schritte von der Haustür entfernt. In der Hand hält er verschämt einen Blumenstrauß; so, daß ihn hoffentlich möglichst wenige Leute sehen. Er stellt sich vor, wie sein Klassenkamerad Joe lachen würde, wenn er ihn jetzt so sehen würde. Eigentlich findet Steffen diesen Blumenstrauß ziemlich blöd. Aber seine Mutter meinte neulich, er solle Mona bei passender Gelegenheit doch einen Blumenstrauß mitbringen. Also ging Steffen am Nachmittag in einen Blumenladen und fragte "Ich hätt' gern' Blumen!" Die Verkäuferin schlug ihm ein paar Blumensorten vor. Steffen sagte dazu nicht viel. "Irgendwelche!" meinte er schließlich gequält, irgendwie war ihm das alles unangenehm. Dann, nach einer Pause deutete er auf die Rosen. Die Verkäuferin nickte und steckte den Blumenstrauß zusammen.

Diesen Strauß hat Steffen nun in der Hand, fluchend auf seine Mutter, von der er sich wieder einmal hat beeinflussen lassen. Einen Moment denkt er daran, die Blumen wegzuwerfen, dann läßt er es aber doch und klingelt. Immer wenn Steffen nervös und angespannt ist, zuckt sein linkes Augenlid. Das tut es im Moment, aber Steffen registriert das nicht, er denkt daran, wie Mona auf den Blumenstrauß reagieren wird und ob sie immer noch will. Steffen geht langsam die Treppen hoch, zu seiner Anspannung gesellt sich nun auch noch ein mulmiges Gefühl. Mona steht an der Tür. "Hier!" sagt Steffen lakonisch und drückt ihr etwas ungelenk die Blumen in die Hand. Mona ist überrascht. "Hi" begrüßt sie ihn aber zunächst, dann küssen sie sich flüchtig auf den Mund. "Komm 'rein", sagt sie dann. "Meine Mutter meinte, ich sollte dir 'mal Blumen mitbringen," sagt Steffen beinah entschuldigend. "Das ist doch nett – Danke!" sagt Mona lächelnd und schiebt ihn in die Wohnung. Beide gehen sie in Monas Zimmer. Steffens linkes Augenlid zuckt immer noch. Beide setzen sie sich auf das Sofa. Mona schenkt erst Steffen, dann sich ein Glas Rotwein ein.

Eigentlich trinkt Steffen nur Bier, aber Mona meint, daß Rotwein dazu gehört. Also stößt Steffen jetzt mit Mona an. Dabei hätte er benahe noch Wein verschüttet, weil seine Hände nämlich plötzlich zittern. Nachdem sie beide getrunken haben, steht Mona auf. "Was ist?" fragt Steffen, der gerade sein Hand auf ihren linken Oberschenkel legen wollte. "Ich muß doch die Blumen in eine Vase stellen!" sagt Mona, nimmt den Blumenstrauß und geht ins Wohnzimmer. Mona öffnet den Wohnzimmerschrank und sucht eine passende Vase aus. Sie steckt die Blumen in die Vase, geht in die Küche und füllt dort Wasser in die Vase. Dann kehrt sie in ihr Zimmer zurück. "Die Vase paßt gut!" sagt Mona und stellt sie auf den Tisch. Steffen sitzt immer noch auf dem Sofa. Erst jetzt fällt ihr auf, daß er die Hände vor sein Gesicht hält. "Steffen?" Mona geht auf ihn zu. "Was ist?" fragt sie. Steffen antwortet nicht. Jetzt steht sie direkt vor ihm. Sanft nimmt sie seine Hände vom Gesicht. Sie spürt, daß die Innenflächen feucht von den Tränen sind. "Ich habe Angst!" sagt Steffen stockend.

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