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Counterstrike=>Erfurt? von Emperor aus der Kategorie Freier Text - Wissenschaft, Technik - Computer, Internet |
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Ich habe lange überlegt, bevor ich dieses Artikel hier geschrieben habe. Einerseits ist das viellicht schon richtig - gewaltverherrlichende Computer/Videospiele steigern die Gewaltbereitschaft und gehören verboten, aber andereseits... Zwischen den Computerspielen und echtem Töten ist eine ganz klare Grenze abgezeichnet. Eine Sache ist es, zu wissen, dass das alles die Kunst des Programmierens, Zeichnens und Planens ist - die Programmierer, Grafiker und Designer sind bestimmt keine blutrünstigen Monster, die alle Menschen, die ihre Spiele spielen, in eine Herde metzelnder Zombies verwandeln wollen - ganz im Gegenteil, die wollen (an der zweiten Stelle) dass die Käufer und Spieler ihrer Spiele Spaß haben, und (an der ersten Stelle) wollen sie natürlich wie alle anderen, ein gutes Leben mit einem gut bezahlten Job oder einem sich rentierenden Geschäft haben. Nunja, eine Sache ist es, mit der Maus zu klicken und eine gewisse Abfolge von Nullen und Einsen auslösen, die im Endeffekt zu einem Computergrafikfeuerwerk führt, der jetzt in dieser Zeit der 3D-Grafikkarten mehr als erstaunlich sein kann - und eine ganz andere Sache ist es, einen WIRKLICHEN (NICHT aus Nullen und Einsen bestehenden) Menschen zu töten, ihm dabei in die Augen zu sehen, seine Lust am Leben und sein stummes Flehen um Gnade zu sehen - und doch abdrücken. Trotz des Wissens dass es ihn danach nicht mehr gibt und welche Trauer seine Angehörigen verspüren. Zwischen dem "Mord" im Computer und dem Mord inm wirklichen Leben liegen keine Meilen, sondern ganze Welten, und wer die beiden Welten nicht unterscheiden kann, ist genauso verrückt, wie der, der mit dem Kopf gegen die Wand schlägt, um zu testen, was fester ist. "Die andere Realität, die sich auf brutalste Basis mit unserer eigenen überschneidet" ist einfach nur total daneben gesagt. Man kann selbstverständlich viele Spekulationen anstellen - aber die gewagteste ist meiner Meinung nach diese hier: Gäbe es den Zweiten Weltkrieg, wenn Hitler einen PC mit Counterstrike darauf gehabt hätte? Es gibt sicher viele Menschen (darunter auch einflussreiche Politiker), denen gewaltverherrlichende Computerspiele ein Dorn im Augen sind - so etwas, was in Erfurt passierte, ist für sie ein gefundenes Fressen, wie traurig das auch klingen mag. Erstens: Hat sich derjenige, der 17 Menschen erschossen hat, TATSÄCHLICH durch die Computerspiele zu einem Mörder entwickelt? (Für viele Spieler, die ich kenne, sind die Computerspiele viel eher die Möglichkeit, den Dampf abzulassen und den Stress abzubauen - wobei, wohl gemerkt, niemand zuschaden kommen kann. "Wer den Dampf nicht ablässt, wird krank" - ein medizinisches Axiom). Zweitens: Ist man bereit zu töten, nachdem man von der Schule geflogen ist - und selbst wenn, kann man das auch WIRKLICH durchsetzen? Es ist nicht dasselbe, zu sagen, "Ich töte den Typ!" und den "Typ" tatsächlich zu töten. Und drittens: Was nützt der Verbot der Computerspiele? Zum einen ist es der berüchtigte Versuch, den Stall abzusperren, nachdem das Pferd bereits geklaut wurde - und zum anderen, die Konsequenz davon wäre das illegale Verbreiten der Computerspiele z.B. durch Internet (oder soll man das Internet auch noch verbieten?) und als Folge die noch schneller steigende Internet-Kriminalitätsrate. Ein weiterer Punkt in der Sache wäre zu fragen, was heutzutage die Alternative zu den Computerspielen wäre. Disco? Ecstasy? Crack? Rausch? Schulden? Gang? Tatsächlich statt virtuell? Die Erfurt-Geschichte gleich 100 Mal, vielleicht? Sport? Ach kommt, Leute - Sport macht den meisten doch kein Spass, Computerspiele dagegen sogar viel. Töten um zu überleben gehört eben zu den Ur-Instinkten des Menschen - und durch solche Computerspiele wird dieser Instinkt befriedigt, wobei, wie ich schon sagte, niemand zu schaden kommt. (Achtung: ich meine niemand kommt zu schaden bei den Spielen SELBST - für das, was danach passiert, trägt der einzelne alle Konsequenzen). Und die meisten spielen nicht um reines Töten-Willens, sondern z.B. um ihre Reaktion, Orientierung und Gedächtnis zu verbessern - oder vielleicht auch, um sich woanders zu behaupten, wenn man das im richtigen Leben nicht so gut kann. Oder einfach ein Erfolgserlebnis zu bekommen, da man ja sonst eh nicht soooo viele bekommt. All diejenigen, die auch der Meinung sind, das Computerspiele verboten gehören, werden mich nach dem Lesen dieses Artikels mit Tonnen von Kot bewerfen :-) - nun, das ist Euer gutes Recht, Leute, und hier habt ihr sogar meine E-Mail-Adresse dafür. Nur eines will ich davor sagen: Ich trauere genauso um die Erfurt-Opfer, wie ihr auch - nur die Lösung für dieses Problems liegt woanders: Nicht einfach alle unter eine Planke stellen, sondern versuchen, herauszukriegen, wer zu so etwas fähig ist und wer nicht. Objektivität gehört einfach dazu, wenn man ein Problem lösen will - und ich versuche eben nach bestem Willen, objektiv zu sein. | ||||||||||