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froshua will es wissen Eigenwerk
von anopheles aus der Kategorie Geschichte - Nachdenkliches, Ernstes

Standard-Verzeichnis
Primärverzeichnis von anopheles
Erstellt:    19.09.2007 01:09 1422 Lesungen, 13.3KB

Wie jeden Tag ging die Sonne über dem kleinen Teich mitten im
grossen Wald auf .Silbrig wie kleine Handspiegel liegen die
Seerosenblätter regungslos auf dem stillen Wasser .Kleine
Wasserläufer wuseln aufgeregt dazwischen umher .Ein einsamer
ausgesprochen grauer Graureiher steht im seichten Wasser
und lauert auf einen Frühstücksfisch, während der Stockentenerpel
bereits sein farbenprächtiges Gefieder zur Schau trägt und stolz
seine Runden dreht ,um eines der zugegebenermaßen weitaus
hässlicheren Weibchen, zu beeindrucken.
Während also im Teich schon so einiges vor sich geht, erwachen
auch seine Lebensgeister ,Glieder und was sonst noch so alles
üblicherweise zu erwachen pflegt.
Scheu blinzelt er mit einem Äuglein in Richtung der fast schon
vollständig am Himmel stehenden ,aber für sein Dafürhalten
viel zu grellen Sonne .Er mag die Sonne nicht besonders, er ist mehr
der Nachtfrosch--nein, nicht Nacktfrosch -obwohl-ja gut meinetwegen
auch---lässt sich kaum verleugnen, denn besonders behaart ist er ja
nun wirklich nicht .Es gibt zwar einen Spruch, demzufolge ein
Frosch irgendwo Locken haben soll, unserer jedoch, von dem hier erzählt
wird verfügt jedoch über kein einziges Haar.
Auf der anderen Seite braucht er die Sonne ,denn er ist kaltblütig-
oder war`s Kaltblüter?-glaube zweiteres ,und muß nach einer kühlen, langen, einsamen Nacht,
um wieder auf Trab zu kommen ,erst seinen Körper von ihr aufwärmen lassen----und das kann natürlich dauern. - - -
Mittlerweile hat er es auch geschafft das andere Froschauge
vom Lid zu befreien und versucht zaghaft, wie ein Roboter, dem
der Strom ausgeht ,seine oder seinen linken vorderen -ja was nun
Pfote-Hand-Hüpfer oder gar Pranke oder Klaue(fällt auf, daß diese
Extremität gar nicht so genau definiert ist-werde es Hüpfer nennen)
in Zeitlupe zu strecken.
So geschieht dies nun Hüpfer für Hüpfer, bis endlich der komplette
Frosch mobil und einsatzbereit ist. Er ist exakt 7,2 cm lang(ohne
Beine)wiegt momentan 42 Gramm(Idealgewicht)und hat eine
ziemlich undefinierbare Grünbrauntönung. Am vorderen
Ende des Körpers trägt er ein für Frosch-Kröten und Lurchverhältnisse ziemlich sympathisches ,wenn nicht sogar hübsches
Gesicht .Aus diesem edlen Antlitz schaut er sich durch zwei wachsame
und kluge Froschaugen(die dem Namen alle Ehre machen)die Welt
ziemlich genau an. Kurzum ein Amphieb, wie es im Buche steht, genauer gesagt auf Seite 196 in Brehms Tierleben unter
L wie Laubfrosch. Der einzige Makel ,den sein ansonsten tadelloser
Körper aufzuweisen hat, ist eine kleine Warze direkt an der Wölbung
hinter dem linken Auge. Dies bemerkte man jedoch kaum, wenn er
den Kopf richtig hielt, was er sich ,eitel wie er nunmal war angewöhnt
hatte. Als er noch ein kleiner Kaulquapp war, wurde er manchmal
deswegen etwas gehänselt und gekrötelt. Man fragte ihn, ob er
sich nicht entscheiden könne, ob er nun ein Frosch oder eine
Kröte werden wolle.(was eine ziemliche Beleidigung für Frosch-
verhältnisse darstellte--diese verachteten Kröten nämlich, für ihre
Warzigkeit und allgemein anerkannte Hässlichkeit)
Aber er war ja nicht auf sein zukünftiges Froschmäulchen gefallen
und parierte die Angriffe ,indem er verlauten liess, daß bei ihm das
Hirn einfach zu schnell gewachsen sei, und keinen Platz mehr
gehabt hätte. Dies komme daher, weil er schliesslich für die
anderen immer mitdenken müsse. Die dummen kleinen Kaulis
schauten ihn nur verdutzt mit offenen Mündern an(was Gott sei
dank für Amphibien ungefährlich ist--sonst wären die glatt
ersoffen)und quappten beeindruckt mit schnellen
Flossenschlägchen hinfort.

Da sass er nun, der kleine Froshua ,wie er nach einem Onkel
mütterlicherseits benannt wurde und blinzelte in die gelbe ,
grelle Sonne. Der Tag schien zu werden wie jeder andere an seinem Teich. Er würde sich auf die Lauer legen und sich mit flinker klebriger
Zunge ein paar Fliegen einverleiben.
Zwischendrin vielleicht mal nen` Wasserläufer von der Wasseroberfläche pflücken, wie er es nannte.
Mit seinen Kumpels Froschgang und Froschhard würde er zum
Zeitvertreib Seerosenblätterweit- und zielhüpfen machen.
Ein paar Runden schwimmen um die Froschschenkel schön stramm
zu halten- ist eh selbstverständlich für ein Amphieb seines Formats.
Apropos Froschschenkel....Er hoffte natürlich,daß er Rana begegnen
würde. Das Weibchen mit den bezauberndsten Schenkeln, die er
jemals in seinem Leben gesehen hatte.—Ja gut , ´´ besonders

viele hatte er noch nicht gesehen. Aber er konnte sich zumindest
nicht vorstellen ,daß es auf diesem Planeten etwas göttlicheres
geben konnte.
Ihre Augen jedoch konnten endgültig dazu führen, daß es dem
kältesten Kaltblütler nicht nur um´s Herz warm, wenn nicht
sogar heiß, werden musste.
Bei ihm auf jeden Fall war es so!!
Irgendwanneinmal—Froshua kuschelte sich gerade- was er sehr
gern hatte- etwas verschämt an eine Brombeere, sagte bzw.
quakte er zu seinem besten Freund Froschgang.
„Du.hu,du Froschgang.-.-.du mir is immer ganz ganz komisch
zumute,wenn ich die Rana seh´ ``
„Wie..komisch?``entgegnete der ein Jahr ältere Froschgang
ganz und gar gelangweilt.
„Na...komisch halt!!``erwiederte Froshua etwas patzig.
„Damit kann ich jetzt gar nix anfangen``
„Die Schenkelchen...und wir sind doch Kaltblütler—oder?``
„Ja sicher ,kälter geht’s kaum mehr, warum fragst du?``
„Wir werden doch eigentlich nur in der Sonne warm? Oooder?``
stammelte der kleine Grüne unsicher.
„Natürlich``
„Aber...ablablab(manchmal ,wenn er aufgeregt war litt er am
sogenannten Froschstottern, die Luft die normalerweise beim
quaken nach aussen strömt ,stockt und erzeugt mit Ausnahme für
den Betroffenen recht lustige Geräusche- deshalb bleiben wir
bei der phonetischen Absicht des Gesagten/quakten) aber mir
für meinen Teil..äh...mir,mir ..vielleicht bin ich nicht ganz
nor..nor..normal(hier:normales Stottern)..wird auch ohne Sonne
-im Schatten- oder im Dunkeln warm``
„Erzähl kein Unsinn ,Froshua`` will Froschgang rigide das
Gespräch beenden.
„Doch,doch,doch..!!!`` insistierte Froshua kurzatmig“Immer.
immer,wenn ich die Rana sehe oder wenn ich nur an sie denke,
dann.-.dann ist es eben so.``
Langsam wurde es dem erfahreneren Froschgang klar und immer
klarer ,was mit seinem kleinen grünen Freund los war.
„Nachtigall-- ich hör dir trapsen´´ ,rief er Überraschung vorspielend
über den Teich.
„Ja was los ?Hab doch gar nix gemacht`` fiept die nebenan in ihrem
Nest vor sich hindösende Nachtigall kleinlaut zurück.
„Ach gib Ruh ,das sagt man doch nur so, keiner hat mit Dir gesprochen.``
„Also ich hab die Nachtigall gar nicht gehört, vorhin´´ verteidigt
Froshua den Vogel, der immer noch ein schlechtes Gewissen hat,
da er ja gelegentlich im Schlaf sang.
„Ja sind denn hier alle komplett bescheuert?---Das sagt man so!
- - -Das ist eine Redensart.- - -Ich meine damit, daß ich einen Verdacht habe was mit dir los ist-Ich habe einen Verdacht was mit dir
los sein könnte- - -wegen dem warm werden ohne Sonne und
im Dunkeln und so komischen Sachen``
„Und-- -und schlecht ist mir auch noch`` fügte der kleine noch
trotzig dazu.
„Ich glaube fast Froshua—du bist....-alle Anzeichen sprechen
dafür –du bist es...---verliebt``
„Ver...verwas bin ich—was soll das sein?—kann man da was
gegen machen?------muß ich jetzt sterben?´´ übertrieb Froshua theatralisch und riss seine eh schon grossen Froschaugen
noch weiter auf.
„Verliebt heisst das Wort, Froshua,---verliebt``,wiederholt Froschgang ,ohne gewillt zu sein dem komplett verunsicherten
Jungfrosch eine genauere Erklärung abgeben zu wollen.
Aber Froshua wäre nicht der Laich seines Vaters-- na gut Mutter
(manche Sprichwörter lassen sich eben nicht so leicht von
Mensch auf Frosch übertragen),wenn er sich damit so einfach
abspeisen liesse. Jetzt wollte er es aber ganz genau wissen,
was das für ein Gefühl war, das ihn dermassen durcheinanderbrachte
und was es damit auf sich hatte.
„Verliebt ist also --:wenn einem schlecht ist, daß man kotzen könnte
-einem heiss wird auch im Dunkeln oder vielleicht sogar im
Winterschlaf und..-..was war da noch... und.-.bin ganz durcheinander
--ja das auch noch!!...Dann ist man also, wenn man sich um
12 Uhr Mittags in die pralle Sonne setzt und angeschimmelten




madigen Fliegenpudding ißt bis man kotzt wie der Graureiher
da drüben, auch verliebt—oder...-oder?, stellte sich Froshua sau blöd, da er ahnte, daß da noch mehr dahinter stecken müßte und er bemerkte, daß sein Freund sich etwas zu zieren begann. Froschgang jedoch, der von diesem Mysterium zwar gehört hatte, es aber selbst auch noch nicht erlebt hatte, versuchte nun abzulenken, um sich vor seinem Freund, der ihn stets bewunderte und zu ihm aufschaute, nicht blamieren zu müssen.
„Schau Dir mal diese wie gemeißelten Schenkelchen an, die grad vorbeigepaddelt sind – auch nicht schlecht, oder ?“
Wollte er mit einem machohaft-jovialen Augenzwinkern die Situation retten und seine eigen Unwissenheit kaschieren. Dies war natürlich nicht nur ein klassischer Schuß, der nach hinten losging, sondern gleichzeitig noch das Ölfaß traf, daß sich ins Feuer ergoß, da er schusselig, wie er gern zwischendrin so mal war, nicht bemerkte, daß es sich um Ranas Schenkel handelte, die er pries.
Die entsprechende Reaktion beim delirierenden Jungfrosch, der nicht nur einem trockenen Strohbündel glich, das beim geringsten Funken in Flammen aufging, sondern eher einer Lagerhalle mit Dynamit und Silvesterraketen, die hochgingen, wenn man sie nur anschaute, ließ nicht lange auf sich warten. So zwischen Tier und Angel (Türen gibt es ja keine) erbrach er sich spontan in den Schilfbereich. Frösche haben eh sehr empfindliche Mägen.
„Es... es... is...“
Erkonnte seinen Satz gar nicht mehr beenden. Plötzlich ging alles sehr schnell. Am Uferrand sahen die Beiden einen riesengroßen Schatten hinter dem meterhohen dichten Schilf, das beschützend um ihren Teich stand, wie eine, allerdings wie sich herausstellte, nicht besonders stabile Wehrmauer. Beide hüpften mit einem großen Satz von ihren Seerosenblättern, an das im Schatten, der immer größer wurde, gegenüberliegende Ufer.
Rana jedoch bemerkte nicht, was vor sich ging und tauchte noch im moosigen Wasser des Teichs herum.
Ein, Froshua völlig neuartiges Geräusch erfüllte die Luft, und beinahe zeitgleich plumpste ein gewaltiger Körper kopfüber durch das Schilf in den Teich.
Das gewaltige Sechzehnendergeweih des kapitalen Hirsches, wie sich jetzt herausstellte, verfehlte die Beiden nur um Haaresbreite. Die zwei glitschigen Kumpane wurden vor Schreck hellgrün.
Frösche werden nicht bleich, sondern entsprechend ihrer ursprünglichen Farbnuancierung einfach je nach Grad und Art der Traumatisierung etwas heller – außer Albinos natürlich (wobei diese natürlich rein theoretisch unsichtbar – ach lassen wir das).
Die Welle, die der gefallene Waldbewohner verursachte, hätte die Beiden beinahe von ihrem Stein gespült, auf dem sie Zuflucht gefunden hatten.

Der Hirsch versuchte in Agonie nochmals, sich aufzurichten, schaffte es jedoch nur noch, den Kopf zu heben und schaute dabei mit seinen wunderschönen rehbraunen Augen mit beinahe aristokratischen Wimpern die tierischen Genossen an.
Froshua bemerkte die Wunde an seiner Flanke, aus der unaufhörlich dunkles, rotes Blut quoll und wie ein Ölteppich kreisförmig ihren Teich blutrot einfärbte. Die Augen des Horntieres, das Froshua sehr sympathisch erschien, wurden zunehmend kleiner und trüber.
Man konnte förmlich sehen, wie in dem Tier das Leben vor seinem inneren Auge nochmals ablief. Er sah seine Eltern, wie stolz sie auf ihn waren, konnte sehen, wie er früh morgens im Nebel zwischen Farn und Pilz seinen mächtigen Brunftruf durch den Wald klingen ließ. Seine vielen gewonnenen Kämpfe um die Gunst der Hirschkühe, wie er einmal den Menschen entkommen ist und ... und.
Dieses Mal hatte er nicht gewonnen.
Dieses Mal ist er nicht entkommen.
Mit seiner letzten Kraft drehte er nochmals sein gewaltiges Haupt in Richtung der beiden Amphibien und spricht mit zitternden Lefzen:
„Danke, daß Ihr da seid --- hab mein Leben gelebt --- es ist gut gewesen --- ich bin nicht allein, vielen Dank, ich bin oder muß ich schon sagen war...“
Froshua wollte gerade sagen, „Ich bin der Froshua“, als er noch einmal tief Luft holte – ein letztes Mal hob sich sein gewaltiger Brustkorb und mit einem zufriedenen Lächeln auf den Äsern sank sein majestätisches, stolzes Haupt, langsam in den rot-grün gefärbten Teich. Sein Leben, ja, das konnten sie ihm nehmen.
Dazu gehörte nicht viel.
In diesem Fall nur ein machtgeiler, schießwütiger Vollidiot, der das Leben nicht ehrt, weil er nicht weiß, was dies bedeutet - - und eine Kugel. Seine Ehre – seinen Stolz – und das Wissen um die wahre Natur aller Dinge konnten diesem fabelhaften Tier von niemandem und niemals – irgendwie oder irgendwann – genommen werden.

Froshua hat in einer sehr kurzen Zeit sehr emotional einschneidende
Erlebnisse gemacht. Er hat den Tod und die Liebe kennengelernt.
Da er ein sehr wissbegieriger kleiner Frosch ist, beschliesst er sich auf eine
Reise zu machen um herauszufinden was das Leben ausmacht.

­fortsetzung folgt 
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