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Schlaflosigkeit Eigenwerk
von owlet aus der Kategorie Geschichte - Nachdenkliches, Ernstes

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Primärverzeichnis von owlet
Erstellt:    16.07.2006 22:35
Geändert: 01.09.2011 12:45
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Schlaflosigkeit.

Es war ein sonniger Tag, einer von solchen Tagen, an denen man glaubt, dass die ganze Welt nur mir zu Füßen liegt und ich alles erreichen würde, was ich mir erträume. Die weichen, warmen Sonnenstrahlen streichelten mein Gesicht und ich wollte nur meine Augen schließen und mich von meinem Glücksgefühl überwältigen lassen. Die Wiese, auf der ich saß, schien mir immer weicher und wärmer zu sein. Ich legte mich auf das weiche und gleichzeitig kitzelige Gras und spürte eine schwere einschläfernde Müdigkeit, die alle meine Sinne langsam betäubte. Der Boden unter mir wurde immer weicher und ich verspürte ein starkes brennen auf meinem Gesicht und Armen. Plötzlich ging der Boden unter mir runter und ich fing an zu brennen. Ich konnte mich nicht bewegen und ein stummer Schrei entflieh aus meinem Mund, das voll mit Erde gefüllt wurde…..

Ich wachte auf. Mein Gesicht und mein ganzer Körper taten mir wehe. Mein Mund war sehr trocken, die Augen voller Tränen. Ich stand langsam auf und ging ins Bad. Auf dem Weg zum Bad stolperte ich auf Garderobe, die ich von meiner Großmutter geerbt habe. Sie war riesig und passte gar nicht in den kleinen Flur. Ich wagte mich aber nicht von ihr zu trennen, denn das wäre so was wie ein Verrat an meine Oma.
Das Licht im Bad war grell. Ich konnte nach der Dunkelheit in meinem Schlafzimmer kaum was sehen. Der Wasserhahn ließ sich sehr schwer drehen. Ich spritzte das kalte wohltuende Wasser ins Gesicht und sah in den Spiegel. Im Spiegel schaute mich eine fremde Frau an, ihre Haut war sehr blass. Sie sollte Mitte dreißig sein. Ihre Augen waren traurig und mit kleinen Fältchen umrahmt. Die Reste der Tusche unter ihren Augen machten ihr Gesicht noch müder und unglücklicher. Ich versuchte die Frau im Spiegel anzulächeln. Sie lächelte mich mit einem überzogenen Lächeln zurück. Dieser Anblick machte mich noch trauriger und ich hatte keine Lust mehr sich selbst anzulächeln. Ich ging wieder ins Bett.
Der Traum wollte meinen Kopf nicht verlassen. Seine Bilder kreisten in meinem Gedächtnis und ich fragte mich ständig, was wohl diese Bilder zu bedeuten haben? Egal wie ich mich hinlegte, es gab für mich keine bequeme Position zum Einschlafen. Die Lage verschlimmerte sich mit der Zeit. Die Schlaflosigkeit weckte in mir Erinnerungen. Es gibt eigentlich nichts Schlimmeres als Besuch der Erinnerungen in der schlaflosen Nacht. Sie überfallen einen und das Herz fängt an schmerzlich zu ziehen, so als ob jemand die Fäden um das Herz gewickelt hätte. In solchen Momenten bleibt nichts übrig als geduldig abzuwarten. Ich erinnerte mich an meine Kindheit und meine Jugend. Die Zeit vermischte sich und die Ereignisse aus meinem Leben wurden zu einer selbständigen, nie stattgefundenen Geschichte. Ich lag im Bett und wartete auf meine Erlösung, auf einen traumlosen Schlaf, in dem es keine Zeit gab und kein Trauer. Im Treppengang hörte ich leise und unverwechselbare Schritte. Um mein Herz wurde es warm und es fing an schneller zu klopfen. Ich führte noch mal mit den Fingern über meine Augen, um den Rest der Schminke wegzukriegen, und streichelte kurz über mein Haar. Das Türschloss ging auf und ich schließ meine Augen. Sein Geruch verbreitete sich im Zimmer, ein leichtes Parfüm so frisch, dass es kaum wahrnehmbar war. Er sagte nichts. Nur ein zärtlicher Kuss seiner warmen Lippen auf meiner Wange und der traumlose Schlaf war da.

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